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Dienstag, 21. August 2012

Bureaucracy in India? No problem!

Seit Freitag sind wir schon hier und noch immer nicht registriert. Es ist also nicht ganz falsch, wenn man uns gerade als Illegale Einwanderer bezeichnet. Normalerweise muss das C-Form, das unsere Einreise ausweist innerhalb der ersten 24 Stunden ausgefüllt und eingereicht sein.
Mittlerweile sind rund 5 Tage vergangen und ein C-Form ist noch immer nicht in Sicht. Daneben gibt es noch ein Prelocate-Form, ein Police-Form, ein Visa-Form, ein Resident-Contract und noch ganz viel mehr. Tendenziell kann man sagen, je mehr Unterschriften und Stempel auf den Papieren sind, desto leichter erreicht man eine Bearbeitung derselben. Um diesen ganzen Kram einigermaßen strukturiert abzuwickeln hat uns Corinna einen Agent organisiert, der uns hilft und dessen Aufgabe es eigendlich ist, sich um alles zu kümmern. Nun ist es aber leider so in Indien, das man den Berufsstand 'Agent' nicht über eine umfassende Ausbildung, sondern nur über dubiose Beziehungen erreicht. So kommt es, dass unser Agent kein Wort Englisch spricht (die Formulare sind in Englisch) und auch sonst keinerlei Kompetenzen aufzeigt. Allgemein gilt, was an Behördengängen in Deutschland eine Stunde dauert, dauert hier einen Tag. So fuhren Anna und ich gestern mit ihm und seinem Übersetzer auf dem Motorad zum Police-Office. Wir wurden auf eine Bank gesetzt, der Agent würde schon machen was zu machen ist. No problem! Nachdem der erforderliche Stempel auf unseren Papieren war gings weiter zum F.R.O, dem Foreigner Registration Office. Zwei Stunden warteten wir dort, bis dieses öffnete und fuhren in der Zwischenzeit nocheinmal durch die Stadt um Dokumente zu besorgen. Nach einer längeren Sicherheitskontrolle wurden wir dann schließlich ins F.R.O. gelassen, als unser Agent realisierte, dass wir eigendlich zum Commissioner-Office müssten. Raus aus dem F.R.O. und Commissioner-Office suchen.... Dort angekommen stellte sich heraus, dass zum Bearbeiten der Unterlagen eine Permission unserer Landlords (die Eigentümer unserer Hostel) fehlte. Die beiden also wieder weg, wir sollten warten (We'll be back in 20 minutes, for sure!). So schauten wir uns die Gegend an, auch im Hinterkopf endlich einmal ein Klo (mit Toilettenpapier!) für Anna zu finden. Wir sollten bis zum Abend erfolglos sein... Um hier einen kurzen Exkurs zu Toiletten aufzuführen: Inder benutzen kein Toilettenpapier. Neben der Schüssel, sofern vorhanden (meistens ein Loch) steht ein Wassereimer mit Schöpfkelle. Dies in Verbindung mit der linken Hand ersetzt das Papier. Wir konnten uns an diese Praktiken bisher noch nicht gewöhnen, sehen uns allerdings täglich damit konfrontiert. So erklärt sich auch, warum die Inder zum Essen ausschließlich die rechte Hand verwenden.
Jedenfalls wurden aus den '20 minutes' eineinhalb Stunden. Irgendwann bekamen wir von Corinna mitgeteilt, dass eine Frau bei ihr angerufen hatte, sie hätte unsere Verträge auf der Straße gefunden. So hatte sich das Thema Commissioner-Office erledigt und die Inkompetenz des Agents war erneut bewiesen. Mit der Rikscha fuhren wir ernüchtert zurück nach Aundh und machten uns ans Abendessen als wir von Corinna erfuhren, dass die ganzen Behördengänge zu diesem Zeitpunkt ohne hin nicht machbar gewesen wären. Trotzdem schöpften wir aus diesem Tag auch eine Lehre: Chanti Chanti! oder auf Deutsch: Reg dich nicht auf, wird schon!

Hier ein Eindruck unserer Erlebnisse: