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Dienstag, 4. September 2012

Menschen in Aundh

Der 65jährige führt sein Geschäft schon seit einem halben Jahrhundert
 
 Wenn es dämmrig wird, so scheint es, wird das Leben hier noch bunter und quirliger. Indische Musik schallt duch die Gassen, die Shops füllen sich und die Tempel erscheinen noch farbenfroher. Aundh ist ein sehr moderner Stadtteil, doch gibt es auch Orte die eher an eine Altstadt erinnern. Wir hatten gestern bei einem Spaziergang durch diesen etwas ärmeren Teil interessante Begegnungen mit Goldschmieden, Müllern und einem evangelischen Pfarrer.
Die Vorbereitungen für das Ganesh-Festival, bei dem der für Maharashtra wohl wichtigste Gott Ganesh, welcher auch durch seinen markanten Elefantenkopf in Europa wohl bekannt ist, gefeiert wird, laufen schon auf Hochtouren. Händler bauen ihre Stände auf und verkaufen Götterstatuen in allen Größen, welche beim Festival feierlich in den Fluss geworfen werden. Mittlerweile gibt es schon, aufgrund der großen Belastung der Gewässer, sich auflösende Ganesh-Figuren um dieselben zu schonen. Tempel werden mit Blumen und Farbpulver geschmückt und junge Trommler proben für Ihren baldigen Auftritt. Das Getümmel begleitet uns während wir Bekanntschaft mit dem 65jährigen Ladenbesitzer machen, welcher sein Geschäft an der Hauptverkehrsstraße schon seit rund 50 Jahren führt. Er zeigt uns seine Gewürze, ist stolz auf seinen Laden. Ein Müller und ein Friseur freuen sich, als wir fragen ob wir ein Foto machen dürfen. An der Abzweigung einer kleinen Gasse fällt uns ein kleines, pink gestrichenes Haus mit der Aufschrift 'Prayer Hall' und einem sichtbaren Kreuz auf. Ein alter Mann kommt heraus und erklärt uns, überraschenderweise auf Englisch, er sei der Pfarrer dieser kleinen, protestantischen Kirche. Seine Gemeinde zählt etwa 350 bis 400 Gläubige welche mindestens einmal die Woche zum Gebet kommen.

Der 86jährige ist Pfarrer einer kleinen protestantischen Kirche in Aundh
 Er lädt uns ein, einzutreten. Es scheint, der kleine Raum dient nicht nur als Gotteshaus sondern auch als Wohnstube des 86 jährigen. Er erzählt uns eindrucksvoll, wie er vor zwei Monaten sein eigenes Wunder erlebt habe. Nach mehrmonatiger Lähmung des ganzen Körpers sei er in seine kleine Kirche zurückgekehrt, da ihm im Krankenhaus niemand helfen konnte. 'And then, God told me to walk!' Er setzt sich aufs Bett und zeigt uns, wie er sich zuerst aufrichtete, schließlich stand und bald seine ersten Schritte gehen konnte.
Ich empfand die Begegnung als sehr beeindruckend, als wir die Kirche verließen um zum nahen Gemüsemarkt zu gehen. Hier trafen wir auf enthusiastische Händler, die es gar nicht erwarten konnten auf ein Foto zu kommen und ihre Auslagen zu präsentieren.


Der Abend hat gezeigt, wie bunt und vielfältig das Leben hier in Indien ist und wie viele Eindrücke auf einen stürmen, wenn man aus seiner Wohnung heraus auf die Straße geht. Nachfolgend zeige ich ein paar Impressionen aus unserer Stadt.

Eine Müller bei seiner Arbeit in Aundh
Ein Friseursalon in Aundh












Montag, 3. September 2012

Nagaland?


Naga ist Hindi und Naga bedeutet Schlange. Das kann ich mir merken dank Tamara, welche in 'Nagalapurm' (Naga = Schlange, Puram = Dorf -> 'Schlangendorf' ) ihren weltwärts-Dienst verrichten wird. Auffällig ist auch, dass bei J. K. Rowlings Harry Potter Voldemorts größtes Heiligtum, seine Schlange, Nagini heißt. Jedenfalls ist Indien nicht nur das Land der Gewürze und Farben, sondern, ich glaube das darf man sagen, auch das Land der Schlangen. Es gibt unzählige Arten in den nahegelegenen Wäldern der Western Ghats. Vipern, Phytons oder natürlich die berühmte Königskobra. Einer unserer Kollegen ist ein Experte auf diesem Gebiet und bekommt täglich bis zu 20 Anrufe von panischen Bürgern, die Naginis in ihrem trauten Heim auffinden. Die Schlangen kommen nämlich auch hier in der Stadt, besonders häufig am Flußlauf des Mula Muta vor und verirren sich hin und wieder in die Häuser der hier lebenden Menschen. Die Angst dabei ist durchaus nicht unbegründet. Einige der hier lebenden Genossen sind hochgiftig. Gerade heute Morgen wurden zwei Schlangen ins Büro mitgebracht, eine davon beißt einen im Großteil aller Fälle in den Tod. Gebannt begutachteten wir beide und gestatteten der ungiftigen auch einmal uns zu beklettern.

Danger! Poisonous!
Konfrontationstherapie :-)
 

Sonntag, 2. September 2012

Mario hat jetzt ein Motorrad und erkundet Incredible India!

Danke meinem Freund Kapil bin ich seit letzter Woche stolzer Besitzer eines Motorrads. Obwohl Mama am Anfang ja sehr besorgt war hoffe ich, dass meine Familie sich freut, denn jetzt fährt so ziemlich jeder ein Bike.
Das Fahren an sich ist echt nich schwer, ich hab ja schon ein bisschen Erfahrung aus Böbing. Was es interessant macht ist der Verkehr! Ob Rikshaw, Tata, Dreirad-Schwertransport, Lkw, Fahrrad oder Kuh. (Die meisten Leute die ich bisher auf einem Zweirad gesehen habe waren 2 Erwachsene und 5 Kinder). Es gibt die unterschiedlichsten Verkehrsteilnehmer, doch man kommt sehr schnell voran. Man ist einfach so unglaublich unabhängig und kann die Stadt ganz anders erkunden, denn an jeder Ecke gibt es etwas zu sehen. Pune beziehungsweise Aundh ist ein schöner Ort zum leben. Trotz der großen Ausmaße ist alles doch recht übersichtlich.
Heute an unserem zweiten Wochenende ging es mit unseren indischen Freunden zum weissen Tukai Devi Mandir Tempel, der sehr nahe, aber hoch über der Stadt auf einem Berg liegt. Von oben hat man eine herrliche Aussicht über Pune. Vom Tempel aus führt ein Pfad über die Berge um die Stadt, auf welchem wir in großer Hitze einen kleinen Hike veranstalteten.


Die Natur unterscheidet sich ziemlich von unserer daheim. Auf dem Markt gibt es eine rießige Vielfalt an Obst und Gemüse von dem ich keine Ahnung habe wie es heißt, geschweige denn schmeckt. Auch Tiere bekommt man hier einige zu sehen. Nachts fliegen Fruchtfledermäuse durch die Stadt, die eine Spannweite von vielleicht einem halben Meter haben. Man sieht ab und zu Papageien in den Bäumen sitzen oder einen 15cm großen Schmetterling, der sich vor dem Hosten niedergelassen hat.
PS: Wir sind jetzt übrigens erfolgreich registriert!


Dienstag, 28. August 2012

Der Sciencexpress kommt!

Obwohl es nur noch einen knappen Monat ist bis der Sciencexpress nach Pune kommt, haben Anna und ich bereits die Möglichkeit am Projekt mitzuarbeiten. Der Zug, ursprünglich ein indisch-deutsches Projekt, fährt nun schon die fünfte Saison durch ganz Indien. Da das derzeitige Jahrzehnt (2011-2020) als Jahrzehnt der  Biodiversität der Vereinten Nationen erklärt wurde, befinden sich in den Waggons Ausstellungen zur Artenvielfalt Indiens, spezifiziert auf die verschiedenen Regionen des Landes. 52 Stationen werden angefahren und die ansässigen Schulen werden eingeladen, sich die Ausstellungen anzuschauen. So wird eine 'National Microbe' als Pendant zum Nationaltier gewählt, die Schüler legen einen 'Umwelteid' ab und bei einer Painting Competition winken dem besten Künstler Preisgelder. Zusätzlich bietet das CEE ein Lehrerfortbildungsprogramm an.
Annas und meine Aufgabe wird es hauptsächlich sein, die Kinder am Bahnsteig zu betreuen und zu beschäftigen. Hierfür haben wir uns schon einige Spiele mit Umweltbezug überlegt. Wenn alles gut geht, können wir vielleicht sogar mit nach Mumbai fahren um auch dort die 'Platform-Activities' durchzuführen.

Hier gibts die Website zum Zug: www.sciencexpress.in

Heute waren hatten wir die erste Stunde Power-Yoga bei einem nahegelegenen Yogatrainer in Aundh. Es hat mega Spaß gemacht, aber ich spür alles an mir, morgen wohl noch mehr! Leider findet die nächsten zwei Wochen kein Training statt, danach starten wir aber durch. Die Tage war ich mit Dip, meinem Zimmergenossen joggen. Es war toll, denn wir konnten ein paar Meter aus Aundh heraus laufen von wo man die Western Ghats, die nahen (gerade wegen des Monsoons tiefgrünen) Berge sieht. Leider muss man dafür immer so früh aufstehen denn schon ab 7 wird es langsam warm...

Viele Grüße!

Sonntag, 26. August 2012

Bilder, Bilder, Bilder...

Unser Hostelhund Mowgli bewacht Haus und Hof ©Anna

Es gab ein altes Gesetz, das verbat Bäume aufgrund von Bebauung zu fällen. So stehen Bäume mitten auf der Straße oder Wände sind einfach drumherum gebaut.  ©Anna

Kapil und Romila zeigen uns den Campus des Elitecolleges etwas außerhalb von Aundh  ©Anna

Mit Paul, Alex, Sabrina und Isa besuchten wir den 'Botanical Garden'  ©Anna

Bananenplantage  ©Anna

©Anna

Urwald  ©Anna

©Anna

Dienstag, 21. August 2012

Bureaucracy in India? No problem!

Seit Freitag sind wir schon hier und noch immer nicht registriert. Es ist also nicht ganz falsch, wenn man uns gerade als Illegale Einwanderer bezeichnet. Normalerweise muss das C-Form, das unsere Einreise ausweist innerhalb der ersten 24 Stunden ausgefüllt und eingereicht sein.
Mittlerweile sind rund 5 Tage vergangen und ein C-Form ist noch immer nicht in Sicht. Daneben gibt es noch ein Prelocate-Form, ein Police-Form, ein Visa-Form, ein Resident-Contract und noch ganz viel mehr. Tendenziell kann man sagen, je mehr Unterschriften und Stempel auf den Papieren sind, desto leichter erreicht man eine Bearbeitung derselben. Um diesen ganzen Kram einigermaßen strukturiert abzuwickeln hat uns Corinna einen Agent organisiert, der uns hilft und dessen Aufgabe es eigendlich ist, sich um alles zu kümmern. Nun ist es aber leider so in Indien, das man den Berufsstand 'Agent' nicht über eine umfassende Ausbildung, sondern nur über dubiose Beziehungen erreicht. So kommt es, dass unser Agent kein Wort Englisch spricht (die Formulare sind in Englisch) und auch sonst keinerlei Kompetenzen aufzeigt. Allgemein gilt, was an Behördengängen in Deutschland eine Stunde dauert, dauert hier einen Tag. So fuhren Anna und ich gestern mit ihm und seinem Übersetzer auf dem Motorad zum Police-Office. Wir wurden auf eine Bank gesetzt, der Agent würde schon machen was zu machen ist. No problem! Nachdem der erforderliche Stempel auf unseren Papieren war gings weiter zum F.R.O, dem Foreigner Registration Office. Zwei Stunden warteten wir dort, bis dieses öffnete und fuhren in der Zwischenzeit nocheinmal durch die Stadt um Dokumente zu besorgen. Nach einer längeren Sicherheitskontrolle wurden wir dann schließlich ins F.R.O. gelassen, als unser Agent realisierte, dass wir eigendlich zum Commissioner-Office müssten. Raus aus dem F.R.O. und Commissioner-Office suchen.... Dort angekommen stellte sich heraus, dass zum Bearbeiten der Unterlagen eine Permission unserer Landlords (die Eigentümer unserer Hostel) fehlte. Die beiden also wieder weg, wir sollten warten (We'll be back in 20 minutes, for sure!). So schauten wir uns die Gegend an, auch im Hinterkopf endlich einmal ein Klo (mit Toilettenpapier!) für Anna zu finden. Wir sollten bis zum Abend erfolglos sein... Um hier einen kurzen Exkurs zu Toiletten aufzuführen: Inder benutzen kein Toilettenpapier. Neben der Schüssel, sofern vorhanden (meistens ein Loch) steht ein Wassereimer mit Schöpfkelle. Dies in Verbindung mit der linken Hand ersetzt das Papier. Wir konnten uns an diese Praktiken bisher noch nicht gewöhnen, sehen uns allerdings täglich damit konfrontiert. So erklärt sich auch, warum die Inder zum Essen ausschließlich die rechte Hand verwenden.
Jedenfalls wurden aus den '20 minutes' eineinhalb Stunden. Irgendwann bekamen wir von Corinna mitgeteilt, dass eine Frau bei ihr angerufen hatte, sie hätte unsere Verträge auf der Straße gefunden. So hatte sich das Thema Commissioner-Office erledigt und die Inkompetenz des Agents war erneut bewiesen. Mit der Rikscha fuhren wir ernüchtert zurück nach Aundh und machten uns ans Abendessen als wir von Corinna erfuhren, dass die ganzen Behördengänge zu diesem Zeitpunkt ohne hin nicht machbar gewesen wären. Trotzdem schöpften wir aus diesem Tag auch eine Lehre: Chanti Chanti! oder auf Deutsch: Reg dich nicht auf, wird schon!

Hier ein Eindruck unserer Erlebnisse:

Traffic

Indian Traffic ist ein sehr spezielles Thema, gestern waren wir mittendrin!

Hier fahre ich mit unserem Agent zur Police Station um mich registrieren zu lassen, wobei die Fähigkeiten desselben entweder begrenzt oder undurchschaubar sind. Die Story kommt bald...